Mehr, als nur Klamotten

So betrachtet ist es eigentlich nur logisch, dass allerorts auf Polo und Zipjacke mit Firmenlogo zurückgegriffen wird. Oder, wenn es etwas formeller sein soll, auf die strenge Bluse mit Namensschild. Auf diese Weise trägt man eben, was alle tragen. Die Verantwortlichkeit entfällt so auf elegante Weise. Man konnte eh nur zwischen 5 Farben wählen, kann ja keiner was dafür.

Die Frage, wie ein Team die Firma in der Öffentlichkeit präsentiert, sollte nicht an einer Person hängen bleiben. Dafür ist die Wirkung, die der Firmenauftritt in der Öffentlichkeit erreicht, viel zu weitreichend! Die Kunden sehen sofort, was nicht passt. Die Presse veröffentlicht Fotos, auf dem das Team der örtlichen Krankengymnastikpraxis exakt genau so aussieht, wie die Mitarbeiter der Bäckerei aus dem Nachbarort. Bluse ist sowieso gleich Bluse. Und in Zeiten von Social Media verbreitet sich dieses langweilige Einerlei langsam aber unaufhaltsam. Genau genommen kommuniziert diese Art von liebloser Einkleidung lediglich: ich bin grad nicht privat unterwegs.

Teamkleidung ist ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenskommunikation und sollte entsprechend gewissenhaft behandelt werden! Eine Zusammenarbeit aller beteiligten Abteilungen, wie der Marketing- und PR Abteilung, der Personalabteilung sowie der verantwortlichen Führungsebene, sollte selbstverständlich sein und der konkreten Konzeptentwicklung voraus gehen.

Als erstes stellen sich rein praktische Fragen zur Kleidung: wer soll sie zu welchen Gelegenheiten wie oft tragen? Ist sie für Drinnen oder Draußen? Welche Bewegungsfreiheit braucht man und gibt es sonstige Anforderungen? Und natürlich: was darf sie kosten? (Mehr dazu findest du im Artikel „Von der Idee zu Kollektion“)

Nachdem das geklärt ist, geht es ans Eingemachte. Die zentrale Frage lautet: was genau möchten wir nach Außen kommunizieren? Welche Unternehmenswerte wollen wir verkörpern? Und was bedeutet das für unsere Kleidung? Leider gibt es viele schlechte Beispiele, wie man die eigenen Werte ad absurdum führt. So sollte es doch eigentlich auf der Hand liegen, dass jeder Betrieb, der seinen Kunden in irgendeiner Weise Qualität verspricht, höchst unglaubwürdig wirkt, wenn seine Angestellten in sichtbar billigen Klamotten rumlaufen. Wer sich Kreativität auf die Fahne schreibt, steht sehr schlecht da im langweiligen Einheits-Shirt. Auf Messen sieht man nicht selten Mitarbeiter großer Werbeagenturen, die ihren Kunden einen passgenauen Markenauftritt versprechen, deren eigenes Teamshirt nicht mal der Corporate Colour des eigenen Unternehmens entspricht. Und wieder andere versprechen ihren Kunden maßgeschneiderte, individuelle Lösungen, während ihre eigene Kleidung weder maßgeschneidert noch auch nur im Entferntesten individuell ist.

Solch eine Doppelmoral kann für eine Firma sehr schnell zum Verhängnis werden. Jedes Unternehmen verliert massiv an Glaubwürdigkeit, wenn Form und Inhalt nicht zusammen passen. Wenn die äußere Form nicht zu den angepriesenen Werbeversprechen passt, wird das von den Kunden sehr schnell durchschaut - zumindest auf der intuitiven Ebene - und die Marke wird als unglaubwürdig eingeschätzt. Das gleiche gilt natürlich auch umgekehrt: eine perfekt inszenierte Form, die im Kontrast zu dem steht, wie der Kunde das Unternehmen konkret erlebt, kostet ebenfalls wertvolle Sympathiepunkte. Es lohnt sich also, immer mal wieder einen Blick auf die eigenen Firmenwerte zu richten. Sind sie noch aktuell? Fehlt etwas?

Die Frage ist nun, wie Werte auch in der Mitarbeiterkleidung umgesetzt bzw. demonstriert werden können. Einfach ist es beispielsweise bei Unternehmen, die für Nachhaltigkeit und Fairness stehen. Es liegt es auf der Hand, dass die Kleidung nachhaltig produziert und fair gehandelt sein sollte.

Aber was, wenn in der Firmenphilosophie subtilere Werte kommuniziert werden, die nicht 1:1 optisch umgesetzt werden können? Wie das gehen kann, verdeutliche ich im Folgenden am Beispiel der Deutschen Telekom, die ihre Unternehmenswerte auf ihrer Internetpräsenz veröffentlich hat. (Quelle: https://www.telekom.com/de/konzern/konzernprofil/konzernleitlinien) Unter anderem heißt es da: Ich bin die Telekom - auf mich ist Verlass. Das soll ausdrücken, dass jeder einzelne Mitarbeiter für die Werte des Unternehmens einsteht und sich persönlich und verlässlich für die Belange des einzelnen Kunden einsetzt. Das ist ein wirklich hehres Ziel! Wie müsste die Teamkleidung eines Kundendienstmitarbeiters nun aussehen, um im Einklang mit diesem Wert zu stehen?

Laut Telekom soll ein persönliches Vertrauensverhältnis zwischen Berater und Kunden aufgebaut werden. Also muss der Berater folgerichtig mit seinem Namen identifizierbar sein, z.B. über ein Namensschild. Er sollte sich natürlich auch stets mit Namen vorstellen und möglichst eine personalisierte Visitenkarte mit Namen und persönlicher Mail-Adresse dabei haben, damit der Kunde im Zweifel nicht in Hotline-Schleife landet— aber das nur am Rande. Vertrauen stellt sich ein, wenn der Berater vom Kunden als vertrauenswürdiger Berater und nicht als ein gut geschultes Klonschaf im Telekom-Apparat wahrgenommen wird. Dies ist besonders bei großen Konzernen eine schwierige Aufgabe! Was die Kleidung betrifft sollte daher von einer zu auffälligen Uniformierung im Telekom-Pink abgesehen werden, ebenso von einer zu deutlichen Platzierung des allseits bekannten Firmenlogos. Verlässlichkeit ist ein konservativer Wert im besten Sinne. Die Kleidung sollte also ebenfalls verlässlich sein. Sie sollte von guter Qualität sein, perfekt sitzen und könnte passenderweise einem tendenziell traditionellem Schick entsprechen ohne wie von gestern zu wirken. Ein zu jugendlicher Kleidungsstil sollte vermieden werden, da zur Verlässlichkeit auch Erfahrung und Reife gehören. Insgesamt sollte die Kleidung zurückhaltend sein, um die Persönlichkeit des Beraters zu unterstreichen und das sowieso omnipräsente Telekom-Imperium in den Hintergrund treten lassen.

Interessant wäre an dieser Stelle die Frage, ob die Telekom die selbst formulierten Werte überhaupt verkörpert? Oder landen nicht alle früher oder später in einer wenig vertrauenserweckenden Hotline OHNE persönlichen Ansprechpartner? Das wäre dann wiederum eine Frage der mangelnden Glaubwürdigkeit, die im Zuge der Überlegungen zur Teamkleidung aufgedeckt werden würde.


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